23.Tag im Praiosmond, 1040 nach Bosparans Fall, später Mittag
Der Regen hatte wieder eingesetzt und die Gruppe stand noch immer unter dem Schock, dass ihnen eben eine Drachenreiter begegnet war. Sie versammelten sich um Tronde, während Gwynwen mit einem Zauber die Wunden des Thowalers versorgte.
Quaz’Ra erinnerte sich, den Namen des Drachenreiters auf dem Pergament gelesen zu haben, den sie beim Tatzelwurm gefunden hatten. Er eilte zum Wagen und zog das Schriftstück aus Ludwigs Tasche. Nachdem er zurückgekehrt war, betrachteten Sie den Zettel und seine Erinnerung bestätigte sich. Der Brief an Blaufell war mit Grimmward unterzeichnet.
In ihm beschrieb der Verfasser, wie sie ihm mit List zu Heldenruhm verhalfen sollten. So wie der Drachenreiter auch versuchte, ihnen den Helden vorzuspielen. Sie vermuteten, er habe mit den Goblins unter einer Decke gesteckt, so erschrocken er die Leichen der Wesen betrachtet hatte.
Rotang unterbrach das Gespräch.
Er hatte den Regen satt und sie könnten in der nächsten Stadt im Trockenen weiter diskutieren, meinte er. Alle pflichteten ihm bei, schnellstmöglich aus dem Regen herauszukommen. Nur Grimbald wollte nach dem Lager der Goblins suchen, vielleicht gab es dort noch weitere “Hinweise”. Die Goldgier leuchtete in den Augen des Zwerges. Doch sein Vorschlag traf auf taube Ohren.
So reiste die Gruppe weiter in Richtung Nordhag, doch die ersehnte trockene Unterkunft würde noch lange auf sie warten lassen.
Auf ihrer Reise zeigte der Regen ihnen all seine Facetten. Vom Landregen mit seinen großen Tropfen, bis zum feinen Niesle, auch peitschend wie Wellen, rollte er über das Land und war für die gesamte Reise allgegenwärtig. Die kleinen Dörfer auf ihrem Weg konnten oder wollten dem merkwürdigen Tross Fremder keinen Unterschlupf bieten.
Ein baumgroßer Kerl dessen lange Haar in nassen Strähnen am kopf klebten, zwei finster dreinschauende Gnome, eine Lange dürre mit viel zu großem Bogen und ein Hexer der seinen Raben auf der Schulter Trug. Mann raunte sogar, dass einer von ihnen einen langen Schwanz unter seinem Umhang verbarg. Es war besser, sich von ihnen fernzuhalten und sie nicht in der Scheune nächtigen zu lassen.
Die Reise verlief ruhig, ereignislos und stetig nass.
An einem Abend fragten sie sich am Lagerfeuer, wem sie über den Drachen und seinen Reiter erzählen würden. Sie einigten sich nur der Erlgard Hohenwald persönlich über ihre Begegnung zu berichten.
1.Tag im Rondra, 1040 nach Bosparans Fall, früher Mittag
Die kleine Karawane erklomm eine ihnen gut bekannte Hügelkuppe und hinter den Regenverhangen Wolken erkannten die Mauern von Nordhag.
Die Stadtwachen erkannten die Gruppe und ließen sie mit einem kurzen Gruß passieren. Sie kehrten in ihre angestammte Gaststätte ein und ließen zum ersten mal nach sieben Tagen den Regen hinter sich. Triefend nass standen sie im Gastraum und Buratosch der Zwergenhändler mit seinen roten Schopf sprang freudig auf und begrüßte sie.
Er hatte schon zwei Tage in der Stadt auf sie gewartet. Er rief der Wirtin zu, sie solle heißen Met, Bier und Speisen für seine Gäste bringen. Dann fragte er ungeduldig nach dem Ring. Missmutig holte Grim den Ring aus seiner Tasche und übergab dem Händler das Erbstück. Jauchzend vor Freude sprang der Zwerg beeindruckend hoch in die Luft, endlich hatte er den Ring seines Großvaters zurück. Überraschend schnell verabschiedete sich der Händler und stürmte aus dem Wirtshaus, nachdem er der Wirtin ein kleines Säckchen mit Münzen zugeworfen hatte.
In der Stube herrschte eine wohlige Wärme, zwei Barden spielten eine rührselige Weise. Gwynwenn vervollständigte das Trio und stimmte mit ihrer Flöte in die Melodie ein. Rotang und die Zwerge hatten ihre Rüstung und Kleider abgelegt und saßen nur mit ihren Lendenschürzen am wärmenden Kamin. Sie brachten das ganze Gasthaus zum tuscheln und kichern. Eirik saß mit Tronde am großen Tisch und fütterte seine Raben. Quaz’Ra begab sich auf sein Zimmer, wo er ein heißes Bad genoss, um die Kälte aus seinen steifen Glieder zu treiben. Wie verabredet trafen sie sich zwei Stunden später im Gastraum wieder.
Eirik entschloss sich, durch die Stadt zu schlendern. Gwynwen blieb bei Ludwig im Gasthaus, dem die lange Reise und ständige Nässe schlecht mitgespielt hatten. Die Zwerge, Rotang, Tronde und Quaz’Ra machten sich auf zur Garnison. Der bekannte leichte Niesel machte ihnen schon längst nichts mehr aus.
Am Tor der Garnison trafen sie auf die alt bekannten Gesichter, die ihren freundlichen Gruß mit einem schmerzvollen Stöhnen erwiderten. Sie verlangten, Erlgard Hohenwald zu sprechen, bald eilte der Kommandant zu ihnen.
Er vermeldete, dass Erlgard Hohenwald sich vor einigen Tagen nach Düsterrode aufgemacht hatte und dort auf sie warten würde.
Die Kommandantin der Grafschaft Heldentrutz neue Informationen über Blaufell in Erfahrung gebracht, mehr wusste er nicht. Sofort durchzuckte eine Unruhe den Achaz, sein Schweif peitsche ungeduldig hin und her.
Er drängte in das Gasthaus zurückzukehren, um sofort nach Düsterrode aufzubrechen. Doch zuvor wollte Tronde den Markt besuchen, Quaz’Ra willige ein. Tronde besuchte einen Rüstungsschmied und erstand ein Thorwaler Schild, während Quaz’Ra vor dem Laden ungeduldig auf und ab lief. Im Gasthaus begannen sie sofort mit den Vorbereitungen für ihre Reise nach Düsterode, sie brachen noch am selben Tag auf.
Ihr Weg führte sie zum Teil auf den selben Straßen, die sie erst vor kurzem befahren hatten. Durch ihr wiederholtes Erscheinen nahe den kleinen Dörfer auf dem Weg, schlug ihnen nun noch mehr Misstrauen entgegen. Die Siedlungen konnten ihrem Argwohn gegenüber der merkwürdigen Fremden nicht erwehren. Waren doch die letzten Wochen mit Berichten über Drachen und Überfällen durch Goblins allerlei anderer Unwesen erfüllt. Zur Freude der kleinen Karawane, begleitete sie die Sonne auf ihrem Weg und ermunterte sie mit ihren warmen Strahlen. Vom Regen blieben sie verschont. Es ging schnell voran und sie gönnten sich und den Pferden nur kurze Rasten über Nacht. Quaz'Ra war seit der Nachricht von Erlgard Hohenwald über Blaufell rastlos und mahnte sie stetig zur Eile.
10 Tag im Rondra, 1040 nach Bosparans Fall, früher Morgen
Am frühen Morgen des 10 Rondra erreichten sie die Palisade des Dorfes Düsterode.
Die Stadtwachen erkannten Rotang, Gwynwen und Grimbald schon von weitem. Die Tore wurden ihnen geöffnet und Erlgard Hohenwald erwartete sie auf dem Marktplatz.
Sie berichteten ihr von der Begegnung mit dem Drachenreiter. Der Name Grimmward war ihr geläufig, ein hoch angesehener Ritter in der Grafschaft. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass der Ritter etwas mit einem Drachen anfangen würde. Die spärliche Beschreibung der Gruppe überzeugte sie nicht, dass sie von derselben Person sprachen.
Zu Blaufell waren ihr Berichte zu Ohren gekommen, die einen Ork mit blauem Fell erwähnten. Sie wusste um das Interesse der Gruppe an diesem Wesen und hatte sie deshalb zu sich bestellt. Es fehlte ihr allerdings an Männern und Zeit, um mehr in Erfahrung zu bringen, nur von seinem vermeintlichen Lagerplatz in der Waldenklamm konnte sie berichten. Sie sollten ihr die Informationen zu tragen, die sie in Erfahrung bringen würden, was mit dem Ork passierte, war ihr einerlei.
Die Waldenklamm befand sich im osten der kleinen Stadt, ein spärlich befestigter Landweg würde sie zur Klamm führen. Quaz’Ra saß bereits ungeduldig auf seinem Rappen als Erlgard Hohenwald sich von den anderen entfernte.
Rotang rief ihr noch das Angebot eines gemeinsamen Umtrunks nach, wenn sie wiederkehren würden. Doch Erlgard Hohenwald hatte ihn nicht mehr gehört oder es wohlwollend ignoriert, konnte sie doch eine solch plumpe Geste vor ihren Soldaten nicht dulden.
Sie brachen umgehend auf und folgten dem schmalen Landweg der sie durch das hügelige Land führte. Sie unterbrachen die Reise nur kurz, um den Pferden Rast zu gönnen und harten nur den dunkelsten Teil der Nacht aus.
